Astrologie · 8 Min. Lesezeit ·

Geburtshoroskop berechnen und deuten: das Radix lesen

Ein Radix ist kein Urteil über dich. Es ist eine Karte des Himmels in deiner ersten Minute, und Karten liest man Schritt für Schritt.

Die meisten Menschen kennen von sich ein einziges Zeichen: „Ich bin Waage.“ Das ist der Stand der Sonne an ihrem Geburtstag, und es ist ungefähr so viel, als würdest du von einer Stadt nur den Bahnhof kennen.

Das Geburtshoroskop, in der Fachsprache Radix, zeigt den ganzen Himmel in dem Augenblick, in dem du geboren wurdest: Sonne, Mond und acht Planeten, jeder in einem Zeichen, jeder in einem Haus, verbunden durch Linien. Meine Großmutter las Tassen, keine Sterne. Die Astrologie habe ich mir später selbst erarbeitet, und ich lese ein Radix bis heute wie eine Tasse: erst das Ganze, dann die Einzelheiten.

Hier steht, was du für die Berechnung brauchst, was die Zeichnung zeigt und wie du sie liest, ohne dich im ersten Kreis zu verlieren.

Was ein Geburtshoroskop ist

Stell dir vor, jemand hätte bei deiner Geburt vom Ort deiner Geburt aus den Himmel fotografiert, rundherum, auch den Teil unter dem Horizont. Das Radix ist dieses Bild, auf einen Kreis gezeichnet. Radix ist lateinisch und heißt Wurzel. Der Name passt: Alles, was Astrologen später über ein Jahr, einen Monat oder eine Beziehung sagen, wird auf diese eine Zeichnung zurückgerechnet.

Die Berechnung selbst ist Astronomie. Wo die Sonne am 3. Oktober steht, lässt sich nachmessen, und zwei Programme kommen auf dasselbe Ergebnis. Die Deutung ist etwas anderes. Sie ist eine Überlieferung, mehr als zweitausend Jahre alt, und keine Wissenschaft. Ich sage das am Anfang, weil ein Radix oft so behandelt wird, als stünde darin ein Befund. Es steht darin eine Anlage, mit der du auf viele Arten leben kannst.

Was du für die Berechnung brauchst

Drei Angaben, mehr nicht.

  1. Das Geburtsdatum. Tag, Monat, Jahr. Daraus ergeben sich die Zeichen aller Planeten.
  2. Die genaue Geburtszeit. Am besten auf die Minute. Der Aszendent wandert etwa alle zwei Stunden in ein neues Zeichen und rückt alle vier Minuten um ein Grad weiter. Von ihm hängen alle zwölf Häuser ab.
  3. Der Geburtsort. Die Stadt genügt. Der Ort legt fest, welcher Teil des Himmels gerade über dem Horizont stand, und in welcher Zeitzone deine Uhrzeit gilt.

Die Geburtszeit steht in Deutschland meist nicht auf der kleinen Geburtsurkunde, wohl aber im Geburtenregister des Standesamts am Geburtsort. Wie du sie findest, habe ich im Artikel über den Aszendenten genauer beschrieben.

Früher wurde ein Radix von Hand gerechnet, mit Tabellen, die Ephemeriden heißen, und es dauerte einen Nachmittag. Heute dauert es eine Sekunde. In der FalciDilara-App ist die Berechnung kostenlos und sofort da, mit Tierkreis, Häusern, Planeten und Aspektlinien.

Was du im Radix siehst

Auf den ersten Blick ist es ein Rad mit vielen kleinen Zeichen. Es sind sechs Dinge, und wenn du sie einmal auseinanderhalten kannst, wird das Rad ruhig.

TierkreisDer äußere Ring mit den zwölf Zeichen
HäuserZwölf Felder, die Bereiche deines Lebens
PlanetenSonne, Mond und acht weitere
AspektlinienFarbige Linien in der Mitte
AszendentDer Punkt links, am Osthorizont
HimmelsmitteDer höchste Punkt, oben im Kreis

Der Tierkreis ist der äußere Ring. Er ist in zwölf gleich große Abschnitte von je 30 Grad geteilt, vom Widder bis zu den Fischen. Jeder Planet steht irgendwo auf diesem Ring, zum Beispiel auf 14 Grad Skorpion.

Die Häuser sind die zwölf Felder im Inneren, gezählt gegen den Uhrzeigersinn, beginnend links am Aszendenten. Sie stehen für Lebensbereiche: das zweite Haus für Besitz, das siebte für Partnerschaft, das zehnte für Beruf und Ruf. Mehr dazu im Artikel über die zwölf Häuser.

Die Planeten sind die kleinen Symbole am Ring. Die Astrologie zählt Sonne und Mond dazu, auch wenn sie astronomisch keine Planeten sind. Was jeder von ihnen bedeutet, findest du im Astrologie-Lexikon.

Die Aspektlinien verbinden Planeten, die in einem bestimmten Winkel zueinander stehen: 0, 60, 90, 120 oder 180 Grad. Sie zeigen, welche Teile von dir miteinander reden und welche miteinander streiten. Wie du sie liest, steht bei den Aspekten.

Der Aszendent ist das Zeichen, das im Augenblick deiner Geburt am Osthorizont aufging. In der Zeichnung liegt er links, auf neun Uhr. Die Himmelsmitte, lateinisch Medium Coeli oder kurz MC, ist der Punkt des Tierkreises, der in diesem Augenblick am höchsten stand, genau im Süden. Sie steht für das, was du in der Welt wirst: Beruf, Ruf, Richtung.

Die drei Fragen: Planet, Zeichen, Haus

Jede Aussage in einem Radix besteht aus drei Teilen. Wenn du dir nur einen Abschnitt merkst, dann diesen.

Der Planet sagt, was. Welche Kraft in dir ist gemeint? Die Venus ist das, was du liebst. Der Mars ist dein Antrieb. Der Merkur ist dein Denken und Sprechen.

Das Zeichen sagt, wie. In welcher Art lebt dieser Planet? Eine Venus im Stier liebt langsam, treu und mit den Händen. Eine Venus in den Zwillingen liebt mit Worten und braucht Abwechslung.

Das Haus sagt, wo. In welchem Bereich deines Lebens zeigt es sich? Venus im zehnten Haus bringt die Liebe zum Schönen in den Beruf. Venus im vierten Haus bringt sie ins eigene Zuhause.

Aus drei Wörtern wird so ein Satz. Mars im Krebs im sechsten Haus: Dein Antrieb (Mars) arbeitet fürsorglich und launisch (Krebs), und zwar im Alltag und bei der Arbeit (sechstes Haus). Das ist ein Mensch, der für Kollegen kocht und an einem schlechten Tag die Tür zumacht. Die Aspekte kommen als vierter Teil dazu: Sie sagen, mit wem dieser Mars zu tun hat.

Was steht in deinem Geburtshoroskop?Dein Radix ist sofort berechnet, mit Häusern und Aspekten. Das Tageshoroskop gibt es gratis dazu.
Radix berechnen

Radix lesen: eine Reihenfolge für Anfänger

Der häufigste Fehler ist, bei irgendeinem Planeten anzufangen und zu jedem eine Bedeutung nachzuschlagen. Nach dem zehnten hast du zehn Zettel und kein Bild. Geh lieber so vor.

  1. Sonne, Mond und Aszendent. Die drei tragen den größten Teil. Lies für jeden Zeichen und Haus. Wie sie zusammenwirken, steht im Artikel über Sonne, Mond und Aszendent.
  2. Die Verteilung. Wo drängen sich die Planeten? Drei oder mehr in einem Zeichen oder Haus bilden einen Schwerpunkt. Stehen fast alle oben im Kreis, lebt jemand nach außen, stehen sie unten, eher nach innen. Schau auch, welches Element überwiegt und welches fehlt.
  3. Merkur, Venus und Mars. Denken, Lieben, Wollen. Das sind die Planeten, die du im täglichen Leben sofort wiedererkennst.
  4. Jupiter und Saturn. Wo es dir leichtfällt und wo du geprüft wirst. Achte hier mehr auf das Haus als auf das Zeichen.
  5. Die engsten Aspekte. Nicht alle Linien, nur die zwei oder drei mit dem kleinsten Abstand zum genauen Winkel, vor allem wenn Sonne oder Mond beteiligt sind.
  6. Uranus, Neptun und Pluto. Sie bleiben viele Jahre in einem Zeichen, ihr Zeichen teilst du mit deinem ganzen Jahrgang. Persönlich wird bei ihnen das Haus, und ein enger Aspekt zu Sonne oder Mond.

Dann leg das Blatt weg und sag in drei Sätzen, was du gesehen hast. Wenn dir das gelingt, hast du das Radix gelesen. Wenn nicht, hast du es abgeschrieben.

Ein Radix zeigt, womit du arbeitest. Was du daraus baust, steht nicht darin.

Geburtshoroskop ohne Geburtszeit

Viele wissen ihre Geburtszeit nicht. Das Radix ist dann nicht wertlos, es ist nur kleiner.

Ohne Uhrzeit fehlen der Aszendent, die Himmelsmitte und alle Häuser. Die dritte Frage, das Wo, bleibt offen. Was bleibt, ist viel: die Zeichen von Sonne, Merkur, Venus, Mars und allen langsameren Planeten, und fast alle Aspekte zwischen ihnen, denn in einem Tag bewegen sich diese Planeten kaum.

Vorsicht beim Mond. Er wechselt etwa alle zweieinhalb Tage das Zeichen und legt an einem Tag zwölf bis fünfzehn Grad zurück. Wechselt er an deinem Geburtstag das Zeichen, kommen zwei Mondzeichen in Frage. Lies beide Beschreibungen. Meistens weißt du nach einer Minute, welche deine ist. Auch Mondaspekte sind ohne Uhrzeit nur ungefähr.

Dasselbe gilt in seltenen Fällen für die Sonne: Wer an einem Tag geboren ist, an dem sie das Zeichen wechselt, braucht die Uhrzeit, um sein Sternzeichen sicher zu kennen.

Häufige Missverständnisse

„Ich bin Löwe, also bin ich so.“ Du hast eine Sonne im Löwen. Du hast auch einen Mond, einen Aszendenten und acht weitere Planeten, und oft stehen die meisten davon in anderen Zeichen. Wer sich in der Beschreibung seines Sternzeichens nicht wiederfindet, hat meistens einen Mond oder Aszendenten, der lauter spricht.

„Ein schwieriges Radix bedeutet ein schwieriges Leben.“ Es gibt keine guten und schlechten Horoskope. Ein Saturn im siebten Haus heißt nicht, dass du allein bleibst. Er heißt, dass du Beziehung ernst nimmst und dir Zeit lässt. Spannung in einer Zeichnung ist oft das, was einen Menschen in Bewegung bringt.

„Leere Häuser sind leere Lebensbereiche.“ Es gibt zehn Planeten und zwölf Häuser. Ein paar bleiben immer leer, bei jedem.

„Das Radix sagt, was passiert.“ Es beschreibt eine Anlage, kein Drehbuch. Zwei Menschen, die in derselben Minute im selben Krankenhaus geboren werden, haben dasselbe Radix und führen zwei verschiedene Leben.

Häufige Fragen

Kann ich mein Geburtshoroskop kostenlos berechnen?

Ja. Die Berechnung ist reine Rechenarbeit und in der FalciDilara-App kostenlos: Du gibst Datum, Uhrzeit und Ort ein und siehst sofort die Zeichnung mit Häusern, Planeten und Aspektlinien. Eine geschriebene Deutung gibt es dazu, wenn du sie möchtest.

Wie genau muss die Geburtszeit sein?

So genau wie möglich. Vier Minuten verschieben den Aszendenten um etwa ein Grad, zwei Stunden meist um ein ganzes Zeichen. Eine Angabe wie „kurz nach Mittag“ reicht für die Planeten, für die Häuser ist sie zu grob.

Was ist der Unterschied zwischen Radix und Horoskop?

Das Radix ist die Zeichnung deines Geburtsmoments und ändert sich nie. Das Tages- oder Wochenhoroskop beschreibt, wie der Himmel von heute zu einem Zeichen steht. Je mehr es von deinem Radix weiß, also auch Mond und Aszendent, desto persönlicher wird es.

Ändert sich mein Geburtshoroskop im Laufe des Lebens?

Nein, das Radix bleibt, wie es ist. Was sich ändert, ist der Himmel über dir: Die laufenden Planeten bilden immer neue Winkel zu deinen Geburtsplaneten. Astrologen nennen das Transite, und daraus entstehen die Deutungen für ein bestimmtes Jahr.

Weil das Radix den Himmel so zeigt, wie man ihn mit Blick nach Süden sieht: Osten liegt links, Westen rechts. Links geht auf, was gerade über den Horizont kommt. Oben steht, was am höchsten steht, unten, was unter der Erde ist.

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