Handlesen: Welche Hand wird gelesen, die linke oder die rechte?
Die Antwort ist: beide. Die linke Hand zeigt, womit du angefangen hast, die rechte, was du daraus gemacht hast. Spannend wird es dort, wo sie sich unterscheiden.
Kaum eine Frage höre ich so oft wie diese: linke oder rechte Hand? Die einen haben gelernt, bei Frauen werde die linke gelesen und bei Männern die rechte. Andere sagen, es zähle nur die Hand, mit der man schreibt.
Meine Großmutter in Izmir machte es sich einfacher. Sie ließ sich immer beide Hände geben, legte sie nebeneinander auf ihr Knie und sah zuerst nach, wo sie nicht zusammenpassten. Dort, sagte sie, fängt die Geschichte an.
So lese ich bis heute, und so lese ich auch in der App: die linke Hand für das, was dir mitgegeben wurde, die rechte für das, was du gelebt hast. Das ist eine Überlieferung, kein Naturgesetz. Andere Leser halten es anders, und ich sage dir hier auch, wie.
Welche Hand wird beim Handlesen gelesen
Beide, und in einer festen Reihenfolge. Zuerst die linke, dann die rechte.
Die linke Hand zeigt die Anlage: das Temperament, mit dem du auf die Welt gekommen bist, die Prägung durch die Familie, die Begabungen, die schon da waren, bevor du etwas dafür getan hast. Sie verändert sich langsamer als die rechte.
Die rechte Hand zeigt das Gelebte: Entscheidungen, Arbeit, Beziehungen, Gewohnheiten. Sie ist die Hand, mit der die meisten Menschen greifen, schreiben, bauen. Was du tust, gräbt sich in sie ein.
Es gibt andere Regeln, und du wirst ihnen begegnen. Die älteste sagt: bei Frauen die linke, bei Männern die rechte. Ich halte davon nichts, denn eine Hand weiß nicht, wem sie gehört. Eine jüngere Regel spricht von der aktiven und der passiven Hand: Die Hand, mit der du schreibst, zeigt das Gelebte, die andere die Anlage. Für Rechtshänder ist das dasselbe wie meine Tradition.
Wer nur eine Hand liest, hört die halbe Geschichte. Eine tiefe Schicksalslinie in der rechten Hand ist eine Sache. Eine tiefe Schicksalslinie rechts und keine links ist eine ganz andere: Da hat sich jemand einen Weg selbst gebaut.
Linkshänder: welche Hand gilt
Bei Linkshändern tauschen viele Leser die Rollen. Dann zeigt die rechte Hand das Mitgegebene und die linke das Gelebte. Der Gedanke dahinter ist einleuchtend: Die Hand, die handelt, trägt die Spuren des Handelns.
Ich halte es so: Ich frage zuerst, mit welcher Hand jemand schreibt, und dann, mit welcher er einen Ball wirft oder ein Messer hält. Viele Linkshänder sind als Kinder umgewöhnt worden und benutzen beide Hände. Bei ihnen sind die Hände sich oft ähnlicher als bei anderen, und die Rollen lassen sich nicht sauber trennen.
Wenn du Linkshänder bist, lies deine Hände ruhig in beide Richtungen. Frag dich bei jedem Unterschied: Welche Hand passt zu dem Menschen, der ich mit fünfzehn war, und welche zu dem, der ich heute bin? Die Antwort ist meistens eindeutig. In der App lese ich die linke Hand als das Mitgegebene und die rechte als das Gelebte. Als Linkshänder darfst du die beiden Teile meiner Deutung im Kopf vertauschen, wenn sie so besser zu deinem Leben passen.
Wenn linke und rechte Hand sich unterscheiden
Zwei völlig gleiche Hände gibt es nicht. Die Frage ist, wo und wie stark sie voneinander abweichen. Leg beide Handflächen nebeneinander ins Licht und geh Linie für Linie durch. Welche Linie welche ist, steht im Überblick über die Handlinien und ihre Bedeutung.
Rechts tiefer als links
Du hast etwas ausgebaut, das nur schwach angelegt war. Eine Kopflinie, die rechts tiefer und länger ist, gehört zu jemandem, der sich das Denken erarbeitet hat. Eine Herzlinie, die rechts klarer ist, hat gelernt, Gefühle zu zeigen.
Links tiefer als rechts
Eine Anlage, die du noch nicht ganz lebst. Das ist kein Vorwurf. Manches ruht, weil das Leben anderes verlangt hat. Oft ist es eine Einladung, etwas wieder aufzunehmen: ein Instrument, eine Sprache, eine Art von Arbeit.
Linie nur in einer Hand
Steht die Schicksalslinie nur rechts, hast du deinen Weg selbst gefunden, ohne dass er dir vorgezeichnet war. Steht sie nur links, lag ein Weg bereit, und du bist einen anderen gegangen.
Zeichen nur rechts
Eine Unterbrechung, eine Gabel oder eine Insel, die nur in der rechten Hand steht, geht auf deine eigenen Entscheidungen zurück. Bei der Lebenslinie ist das besonders aufschlussreich, wie der Artikel über die kurze Lebenslinie zeigt.
Fast gleiche Hände
Du lebst nah an dem, was dir mitgegeben wurde. Das spricht für Beständigkeit und dafür, dass du früh wusstest, wer du bist.
Sehr verschiedene Hände
Ein Leben mit großen Veränderungen. Du hast dich weit von deinem Ausgangspunkt entfernt, durch ein anderes Land, einen anderen Beruf, eine andere Art zu leben als deine Eltern.
Handformen: Erde, Luft, Feuer, Wasser
Bevor ich eine einzige Linie lese, sehe ich mir die Form der Hand an. Dafür brauchst du zwei Beobachtungen. Ist die Handfläche eher quadratisch oder länglich? Und sind die Finger kurz oder lang? Als lang gelten sie, wenn der Mittelfinger etwa so lang ist wie die Handfläche hoch.
Erdhand
Quadratische Handfläche, kurze Finger, feste Haut, wenige tiefe Linien. Ein praktischer, verlässlicher Mensch, der gern mit den Händen arbeitet und draußen zur Ruhe kommt. Er mag keine plötzlichen Veränderungen und hält, was er verspricht.
Lufthand
Quadratische Handfläche, lange Finger, viele feine, klare Linien. Ein Mensch, der denkt, redet und fragt. Er braucht Austausch und Abwechslung und wird unruhig, wenn der Kopf nichts zu tun hat.
Feuerhand
Längliche Handfläche, kurze Finger, warme Haut, ausgeprägte Linien. Antrieb und Begeisterung. Dieser Mensch fängt gern an, reißt andere mit und verliert die Geduld, wenn es langsam geht.
Wasserhand
Schmale, längliche Handfläche, lange Finger, weiche Haut, sehr viele zarte Linien. Empfindsamkeit und Vorstellungskraft. Dieser Mensch nimmt Stimmungen auf wie ein Schwamm und braucht Rückzug, um sie wieder loszuwerden.
Die vier Namen kennst du aus der Astrologie. Sie meinen dort dasselbe Temperament, wie du bei den Elementen der Sternzeichen nachlesen kannst. Reine Formen sind selten. Die meisten Hände sind Mischungen, und oft hat die linke eine etwas andere Form als die rechte.
Finger und Daumen
Der Daumen steht für den Willen. Ein langer, kräftiger Daumen gehört zu einem Menschen, der durchsetzt, was er sich vornimmt. Lässt sich die Daumenspitze weit nach hinten biegen, ist dieser Mensch großzügig und passt sich leicht an. Ein steifer Daumen spricht von Festigkeit, manchmal von Sturheit. Achte auch auf den Winkel: Steht der Daumen weit von der Hand ab, bist du offen und unabhängig. Liegt er eng an, bist du vorsichtig.
Die Finger tragen die Namen der Berge, auf denen sie stehen. Der Zeigefinger spricht von Selbstvertrauen und davon, ob du gern führst. Der Mittelfinger von Pflicht und Ernst. Der Ringfinger von Freude am Gestalten und daran, gesehen zu werden. Der kleine Finger vom Reden, Schreiben und Handeln. Ein langer kleiner Finger gehört zu Menschen, die mit Worten umgehen können. Was unter jedem Finger liegt, erklärt der Artikel über die Handberge.
Ein letzter Blick gilt der Haltung. Leg die Hand entspannt auf den Tisch. Bleiben die Finger eng beisammen, bist du vorsichtig und behältst Dinge für dich. Fallen sie von selbst auseinander, bist du offen und brauchst Freiheit.
Handfläche fotografieren: so wird das Bild gut
Ob du deine Hände für dich selbst festhalten willst oder sie lesen lässt: Ein gutes Foto zeigt mehr als ein Blick im Vorbeigehen. Die meisten Fotos, die ich bekomme, haben denselben Fehler. Sie sind mit Blitz gemacht, und der Blitz löscht jede feine Linie.
- Tageslicht von der Seite. Stell dich ans Fenster, so dass das Licht schräg über die Handfläche fällt. Kein Blitz, keine Deckenlampe direkt von oben.
- Hand flach, aber locker. Leg den Handrücken auf einen Tisch oder halte die Hand frei. Die Finger leicht geöffnet und entspannt, nicht gespreizt und nicht überstreckt.
- Ruhiger Hintergrund. Ein dunkles Tuch oder eine einfarbige Tischplatte. Muster lenken ab.
- Kamera gerade von oben. Halte das Telefon parallel zur Handfläche. Die ganze Hand gehört ins Bild, vom Handgelenk bis zu den Fingerspitzen.
- Scharf stellen. Tipp auf dem Bildschirm auf die Mitte der Handfläche und halte still. Achte darauf, dass der Schatten des Telefons nicht auf der Hand liegt.
- Beide Hände einzeln. Erst die linke, dann die rechte, mit demselben Licht.
In der FalciDilara-App lädst du Fotos beider Handflächen hoch, und ich schreibe dir eine Deutung, die links und rechts miteinander vergleicht. Du kannst auch die Hand eines anderen Menschen lesen lassen. Frag ihn vorher. Weitere Texte findest du unter Handlesen.
Die linke Hand ist der Brief, den du bekommen hast. Die rechte ist deine Antwort.
Häufige Fragen
Welche Hand liest man bei Frauen und welche bei Männern?
Die alte Regel sagt links bei Frauen und rechts bei Männern. Ich folge ihr nicht. Ich lese bei allen Menschen beide Hände: die linke für das Mitgegebene, die rechte für das Gelebte. So ergibt sich ein vollständigeres Bild.
Welche Hand wird bei Linkshändern gelesen?
Viele Leser tauschen bei Linkshändern die Rollen. Dann zeigt die rechte Hand die Anlage und die linke das Gelebte. Wer beide Hände benutzt, liest am besten in beide Richtungen und prüft, was zum eigenen Leben passt.
Welche Hand zeigt die Zukunft?
Keine Hand zeigt eine feste Zukunft. Die rechte Hand zeigt, in welche Richtung du gerade unterwegs bist, und das kann sich ändern, wenn du etwas änderst. Handlesen ist Deutung aus der Überlieferung, keine Vorhersage mit Garantie.
Was bedeutet es, wenn die Linien in beiden Händen ganz verschieden sind?
Dass du dich weit von dem entfernt hast, womit du angefangen hast. Die Tradition liest das als Zeichen für ein Leben mit großen Veränderungen. Es ist weder gut noch schlecht, es zeigt nur, wie viel du selbst gestaltet hast.
Kann ich mit einem Foto aus der Hand lesen lassen?
Ja, wenn das Foto gut ist. Entscheidend sind Seitenlicht, eine lockere Hand und ein scharfes Bild, auf dem die ganze Handfläche zu sehen ist. Ein Foto mit Blitz zeigt fast nur die drei tiefsten Linien.