Träume · 9 Min. Lesezeit ·

Traum vom Fallen, Fliegen, Verfolgtwerden: Bedeutung

Fallen, fliegen, verfolgt werden: Diese drei Träume kennt fast jeder Mensch. Sie handeln selten von dem, was im Bild geschieht, und fast immer davon, wie du dich gerade durch dein Leben bewegst.

Es gibt Träume, die man mit den Augen sieht, und Träume, die man mit dem ganzen Körper träumt. Du fällst, und dein Magen fällt mit. Du läufst, und die Beine sind schwer wie nasser Sand. Du fliegst, und beim Aufwachen spürst du noch den Wind an den Armen.

Diese Bewegungsträume werden mir fast täglich erzählt, in jeder Sprache, von Menschen jeden Alters. Sie sind so verbreitet, dass viele glauben, es müsse eine feste Bedeutung geben. Die gibt es nicht. Es gibt aber eine Richtung, in die jedes dieser Bilder gewöhnlich zeigt, und eine Frage, die du dir dazu stellen kannst.

Ich gehe sie der Reihe nach durch. Bei jedem gilt dieselbe Regel wie bei allen Traumsymbolen: Das Gefühl beim Aufwachen entscheidet, in welche Richtung das Bild zeigt.

Fallen im Traum

Der Traum vom Fallen handelt von Halt. Irgendwo in deinem Leben steht gerade etwas weniger fest als gewohnt: eine Arbeit, eine Beziehung, ein Plan, manchmal nur die Vorstellung, die du von dir hast. Der türkische Volksglaube liest „rüyada düşmek“ streng als Verlust an Ansehen. Ich lese es weiter, und vor allem lese ich das Gefühl mit.

Wachst du mit Schrecken auf, hast du Angst, etwas zu verlieren, das dich trägt. Wachst du erleichtert auf, war der Fall ein Loslassen. Manche Menschen fallen im Traum, kurz nachdem sie gekündigt oder sich getrennt haben, und wachen leicht auf. Das ist kein schlechter Traum. Das ist ein Körper, der endlich aufhört, sich festzuhalten.

Eines gehört nicht hierher: das Zucken beim Einschlafen, wenn das Bein ausschlägt und du kurz zu stürzen meinst. Das kennt fast jeder, und es ist der Körper, der in den Schlaf findet, kein Bild, das man deuten muss.

Von einem hohen Ort fallen

Dach, Brücke, Klippe. Je höher der Ort, desto mehr hast du in letzter Zeit aufgebaut oder auf dich genommen. Der Traum fragt, ob du dir die Höhe zutraust, auf der du stehst.

Fallen ohne Ende

Kein Boden, nur das Fallen. Meist eine Lage, deren Ausgang du nicht absehen kannst. Die Ungewissheit selbst ist das Thema, nicht ein drohender Aufprall.

Stolpern und stürzen

Ein kleiner Fall, auf der Treppe, auf dem Gehweg. Hier geht es um einen einzelnen Schritt: einen Fehler, den du fürchtest, oder eine Eile, die dir nicht guttut.

Fallen und weich landen

Du landest, und es tut nicht weh. Einer der tröstlichsten Träume. Etwas, vor dem du dich gefürchtet hast, ist glimpflicher, als du dachtest.

Frag dich nach einem Falltraum: Woran halte ich mich gerade fest, und muss ich das wirklich?

Verfolgt werden im Traum

Kein Traum ist so eindeutig wie dieser. Etwas ist hinter dir her, und du läufst. In fast allen Fällen ist es etwas, dem du im Wachen ausweichst: eine Rechnung, ein Gespräch, eine Entscheidung, ein Gefühl, für das gerade kein Platz ist.

Das Entscheidende ist nicht, wer dich verfolgt, sondern dass du dich nicht umdrehst. Viele Menschen erzählen mir, dass sie den Verfolger nie gesehen haben. Sie wissen nur, dass er da ist. Was man nicht ansieht, wird im Traum größer.

Auch hier dreht das Gefühl den Traum. Panik heißt, die Sache drängt. Wachst du eher gereizt oder müde auf als ängstlich, bist du es leid, wegzulaufen, und das ist ein guter Anfang.

Ein Fremder verfolgt dich

Eine Sache ohne Gesicht: ein Druck, eine Frist, eine Erwartung. Je weniger du erkennst, desto allgemeiner ist die Sorge.

Ein Tier verfolgt dich

Hund, Stier, Schlange. Tiere stehen oft für etwas Eigenes, das du nicht zulässt: Wut, Lust, Hunger nach etwas. Bei der Schlange im Traum lohnt ein eigener Blick, sie hat eine lange Überlieferung.

Jemand, den du kennst

Dann geht es selten um diesen Menschen und meist um das, was zwischen euch offen ist. Besonders häufig ist das bei früheren Partnern. Dazu mehr bei den Träumen vom Ex-Partner.

Du versteckst dich

Du läufst nicht mehr, du hältst den Atem an. Du hoffst, dass etwas von selbst vorübergeht. Manchmal tut es das. Oft findet es dich im nächsten Traum wieder.

Frag dich: Was wäre geschehen, wenn ich stehen geblieben wäre und mich umgedreht hätte? Manche schaffen das in einem späteren Traum tatsächlich. Meist ist der Verfolger dann kleiner als gedacht.

Fliegen im Traum

Der Flugtraum ist das Gegenstück zum Fall. Du löst dich vom Boden, und es fühlt sich richtig an. Die alte türkische und arabische Überlieferung liest das Fliegen oft als Reise oder als Aufstieg im Ansehen. Ich lese es als Überblick: Du siehst eine Lage von oben, die dich unten festgehalten hat.

Viele Menschen flogen als Kinder oft im Traum und als Erwachsene kaum noch. Kommt das Fliegen zurück, ist das fast immer ein gutes Zeichen. Etwas in dir traut sich wieder mehr zu.

Trotzdem gilt die Regel. Fliegst du und hast dabei Angst vor der Höhe, bist du vielleicht schneller aufgestiegen, als dir geheuer ist. Wachst du wehmütig auf, weil es nur ein Traum war, zeigt dir der Flug, was dir im Alltag fehlt: Raum.

Hoch und ruhig fliegen

Du bist einer Lage gewachsen. Achte darauf, was du von oben gesehen hast, die eigene Stadt, das Meer, ein Haus. Dorthin geht dein Blick auch im Wachen.

Knapp über dem Boden

Du ruderst mit den Armen und kommst kaum höher als die Hecken. Du willst mehr, als du dir erlaubst, oder etwas hält dich: eine Pflicht, ein Zweifel, ein Mensch.

Nicht abheben können

Du weißt, dass du fliegen kannst, und es geht nicht. Häufig in Zeiten, in denen du auf eine Zusage oder Erlaubnis wartest. Frag dich, wessen Erlaubnis das ist.

Im Flug abstürzen

Der Flug wird zum Fall. Meist die Sorge, dass etwas Gutes nicht hält. Schau auf das Ende: Fängst du dich wieder, hast du mehr Vertrauen in dich, als der Schreck vermuten lässt.

Frag dich: Wovon habe ich mich im Traum gelöst, und was hielte mich im Wachen davon ab?

Ein Traum, der nicht loslässt?Schreib ihn auf, solange er frisch ist. Dilara deutet nur, was wirklich darin vorkam.
Traum deuten lassen

Nicht laufen oder schreien können

Du willst rennen, und die Beine gehorchen nicht. Du willst rufen, und es kommt kein Ton. Dieser Traum ist dem Verfolgungstraum verwandt, aber er sagt etwas anderes. Er handelt nicht vom Ausweichen, sondern vom Gefühl, nichts ausrichten zu können.

Die Beine, die nicht laufen, zeigen meist eine Lage, in der du handeln willst und nicht weißt wie, oder nicht darfst. Die Stimme, die versagt, zeigt etwas Ungesagtes. Ich frage dann immer: Wem wolltest du etwas zurufen, und was? Der Satz, der im Traum nicht herauskam, ist oft genau der, der im Wachen fällig ist.

In der Türkei kennt man dafür das Wort „karabasan“, der schwarze Druck, der sich nachts auf die Brust setzt. Großmütter haben dagegen ein Gebet gesprochen und das Licht angelassen. Ich sage dazu etwas Nüchternes: Wenn du öfter aufwachst und dich für Augenblicke wirklich nicht bewegen kannst, oder wenn dir das große Angst macht, dann sprich mit einer Ärztin oder einem Arzt darüber. Das ist dann keine Frage der Deutung.

Zu spät, Prüfung, nackt, etwas verlieren

Das sind die stillen Verwandten der drei großen Träume. Sie bewegen weniger den Körper als das Gesicht, das du anderen zeigst.

Zu spät kommen

Der Zug fährt ab, der Flughafen ist ein Labyrinth, der Koffer ist nicht gepackt. Du trägst zu viel gleichzeitig oder fürchtest, eine Gelegenheit zu verpassen. Schau, wohin du unterwegs warst. Das Ziel ist wichtiger als die Verspätung.

Prüfungsträume

Du sitzt in einer Prüfung, für die du nichts gelernt hast, oft im Fach deiner Schulzeit, Jahrzehnte später. Du fühlst dich irgendwo beurteilt. Merkwürdig und tröstlich: Diesen Traum haben vor allem Menschen, die ihre Prüfungen damals bestanden haben.

Nackt in der Öffentlichkeit

Du stehst ohne Kleider im Büro oder auf der Straße. Die Angst, durchschaut zu werden, oder etwas von dir gezeigt zu haben, das du lieber behalten hättest. Achte darauf, ob es jemand bemerkt. Sehr oft bemerkt es im Traum niemand, und das ist die eigentliche Auskunft.

Etwas verlieren

Schlüssel, Tasche, Telefon, manchmal ein Kind an der Hand. Du sorgst dich um etwas, das dir anvertraut ist, oder um einen Teil von dir, den du im Alltag aus den Augen verlierst. Frag dich, was der Gegenstand dir öffnet oder mit wem er dich verbindet.

Den Weg nicht finden

Gänge, Türen, Treppen, die woanders enden als gedacht. Du stehst vor einer Wahl mit zu vielen Möglichkeiten. Der Traum will keine schnelle Entscheidung. Er zeigt nur, dass dir eine Karte fehlt.

Drei Fragen an jeden Bewegungstraum

Wenn du nur drei Dinge aus diesem Text mitnimmst, dann diese Fragen. Ich stelle sie in dieser Reihenfolge.

  1. Wie war mir beim Aufwachen? Schreib das Wort auf, bevor du irgendetwas anderes notierst. Angst, Erleichterung, Ärger, Wehmut. Das Wort dreht den Traum.
  2. Wo in meinem Leben bewege ich mich gerade so? Wo falle ich, wo laufe ich weg, wo komme ich nicht vom Fleck, wo würde ich gern abheben? Fast immer fällt dir sofort etwas ein. Nimm das Erste.
  3. Wie ging der Traum aus? Aufgefangen, eingeholt, gelandet, aufgewacht mittendrin. Das Ende zeigt, was du dir selbst zutraust.

Kommt derselbe Traum immer wieder, lies ihn anders. Ein wiederkehrender Traum zeigt seine Aussage in dem, was sich von Nacht zu Nacht verändert, nicht im Bild selbst.

Und eine Grenze, die ich immer nenne: Traumdeutung ist Überlieferung und ein Anlass, über sich nachzudenken. Sie ist keine Psychologie und keine Medizin. Wenn Albträume dich oft wecken, wenn du dich vor dem Schlafen fürchtest oder tagsüber erschöpft bist, sind eine Ärztin, ein Arzt oder eine Therapeutin die richtige Adresse.

Wenn du magst, schreib mir deinen Traum in der App, mit dem Gefühl beim Aufwachen und der Angabe, ob er wiederkommt. Ich lese nur die Bilder, die wirklich darin waren.

Häufige Fragen

Was bedeutet es, wenn man im Traum fällt?

Meist geht es um Halt: Etwas in deinem Leben steht gerade weniger fest. Mit Schrecken geträumt, zeigt der Fall die Angst vor einem Verlust. Mit Erleichterung geträumt, zeigt er ein Loslassen, das dir guttut.

Stirbt man, wenn man im Traum auf dem Boden aufschlägt?

Nein, das ist ein altes Gerücht. Viele Menschen landen im Traum, manche hart, manche weich, und wachen ganz normal auf. Dass die meisten vorher aufwachen, liegt am Schreck, nicht an einer Gefahr.

Warum werde ich im Traum immer verfolgt?

Weil es im Wachen etwas gibt, dem du noch ausweichst. Der Traum wiederholt sich, bis du die Sache ansiehst. Schreib auf, wann er kommt und wie nah dir der Verfolger jedes Mal ist.

Was bedeutet es, im Traum zu fliegen?

Gewöhnlich Überblick und Zutrauen: Du siehst etwas von oben, das dich unten festgehalten hat. Mühsames Fliegen dicht über dem Boden zeigt, dass du mehr willst, als du dir gerade erlaubst.

Warum kann ich im Traum nicht schreien oder weglaufen?

Der Traum zeigt meist das Gefühl, in einer Sache nichts ausrichten zu können, oder etwas, das du nicht aussprichst. Frag dich, was du rufen wolltest. Kannst du dich nach dem Aufwachen öfter wirklich nicht bewegen, gehört das in ein ärztliches Gespräch.

Warum träume ich Jahre nach der Schule noch von Prüfungen?

Weil die Prüfung das stärkste Bild ist, das du für Beurteilung kennst. Der Traum kommt, wenn du dich im Beruf oder privat gemessen fühlst. Weitere Bilder und ihre Lesarten stehen im Bereich Traumdeutung.

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