Tarot · 9 Min. Lesezeit ·

Tarot Ja Nein: Eine Karte, eine klare Frage, eine ehrliche Antwort

Eine Karte kann eine Frage beantworten, wenn die Frage dafür gebaut ist. Die meiste Arbeit beim Ja-Nein-Tarot passiert, bevor du ziehst.

Das Ja-Nein-Tarot ist die Legung, der die Leute am wenigsten trauen und die sie am häufigsten benutzen. Ich verstehe beides. Eine einzelne Karte wirkt zu dünn für eine Frage, die dich nachts wach hält, und gleichzeitig ist nichts verlockender als eine schnelle Antwort.

Ich ziehe fast jeden Tag eine Karte für eine Ja-Nein-Frage, und ich habe gelernt, dass selten die Karte das Problem ist. Die Frage ist es. Eine Karte kann Ja sagen, Nein, Noch nicht oder „du fragst das Falsche“. Sie kann keine Frage beantworten, in der drei Fragen stecken.

Deshalb beginnt dieser Text mit dem Fragen, gibt dir dann die Liste der Ja-, Nein- und Vielleicht-Karten, mit der ich arbeite, und endet mit ein paar Beispielen aus der Praxis.

Wie Ja-Nein-Tarot mit einer Karte funktioniert

Du hast eine Frage, mischst die 78 Karten, ziehst eine einzige und drehst sie um. Ich lese sie aufrecht oder umgekehrt, genau so, wie sie fällt.

Eine Münze hat zwei Seiten. Ein Tarotdeck hat vier Antworten:

JaDer Weg ist frei
NeinNicht das, oder nicht so
Noch nichtZeit oder Voraussetzungen fehlen
Falsche FrageZuerst muss etwas anderes gefragt werden

Diese vierte Antwort ist der Grund, warum mir eine Karte lieber ist als eine Münze. Wenn Der Mond kommt, weicht das Deck nicht aus. Es sagt dir, dass du noch nicht genug siehst, um so zu fragen.

Für alle Karten, die weiter unten nicht in der Liste stehen, gibt es eine Faustregel. Stäbe und Kelche neigen zum Ja, Stäbe schnell, Kelche warm. Münzen sagen Ja, langsam und durch Arbeit. Schwerter neigen zum Nein oder zu „denk noch einmal nach“. Eine Hofkarte heißt, dass ein Mensch das entscheidet, oft du selbst. Wovon die Farben im Einzelnen sprechen, steht in meiner Übersicht zur Kleinen Arkana.

Wie du eine Ja-Nein-Frage stellst

Eine Frage, die eine einzelne Karte beantworten kann, hat vier Eigenschaften.

  1. Sie lässt sich mit Ja oder Nein beantworten. „Ist es gut für mich, das Angebot anzunehmen?“ geht. „Was ist mit meinem Job?“ geht nicht, das ist eine Frage für die Drei-Karten-Legung.
  2. Sie enthält eine Sache. Nicht „Soll ich nach Lissabon ziehen und ihn mitnehmen?“. Das sind zwei Karten an zwei verschiedenen Tagen.
  3. Sie handelt von dir und von etwas, das du tun kannst. „Ist es klug, sie diese Woche anzurufen?“ gehört dir. „Denkt sie noch an mich?“ gehört in ihren Kopf, und die Karte zeigt dir nur deine eigene Hoffnung.
  4. Sie hat einen Zeitraum. „Finde ich eine Wohnung?“ hat kein Ende. „Ist dieser Monat ein guter Zeitpunkt, um eine Wohnung zu suchen?“ schon.

Vermeide Oder-Fragen. „Soll ich bleiben oder gehen?“ lässt sich nicht mit Ja beantworten. Teile sie: „Ist es gut für mich, noch ein Jahr zu bleiben?“ Und vermeide Verneinungen. Nach „Soll ich ihm nicht schreiben?“ und einer Ja-Karte rätselst du, wozu das Ja gehört.

Noch etwas. Manche Fragen gehören gar nicht vor eine einzelne Karte: ob eine Krankheit ernst ist, wie ein Gerichtsverfahren ausgeht, ob sich eine Geldanlage lohnt. Dafür brauchst du eine Ärztin, einen Anwalt, eine ruhige Rechnung. Die Karten können dir sagen, wie du in der Sache stehst. Sie ersetzen nicht die Menschen, deren Beruf das ist.

Ja-, Nein- und Vielleicht-Karten im Tarot

Keine Liste dieser Art ist ein Gesetz. Sie ist die Überlieferung, wie ich sie gelernt habe und wie dreißig Jahre sie mir bestätigt haben. Die Gruppen sind wichtiger als die einzelnen Einträge.

Klares Ja

Die Sonne, Der Stern, Die Welt, alle vier Asse, Sechs der Stäbe, Vier der Stäbe, Neun der Kelche, Zehn der Kelche, Zehn der Münzen. Die Sonne ist das schlichteste Ja im Deck. Die Asse sagen Ja zu einem Anfang, die Zehnen zu etwas, das schon vollständig ist.

Ja, wenn du deinen Teil tust

Der Narr, Der Magier, Die Herrscherin, Der Wagen, Die Kraft, Drei der Stäbe, Acht der Stäbe, Drei der Münzen, Acht der Münzen, die Ritter der Stäbe und der Münzen. Die Tür ist offen, aber niemand trägt dich hindurch. Der Narr sagt Ja zum Anfang und schweigt über das Ende.

Eher Nein

Der Teufel, Fünf der Schwerter, Sieben der Schwerter, Fünf der Stäbe, Zehn der Stäbe, Vier der Münzen. Es ginge, aber zu einem Preis: ein Streit, eine halbe Wahrheit, eine Last, die zu schwer ist. Der Teufel heißt oft: „Ja, und es wird dir nicht gefallen, woran es dich bindet.“

Klares Nein

Der Turm, Drei der Schwerter, Zehn der Schwerter, Fünf der Münzen, Fünf der Kelche, Acht der Kelche. Nicht das, oder nicht so. Keine dieser Karten kündigt eine Katastrophe an. Sie sagen, dass das, wonach du fragst, nicht halten wird, und dass es freundlicher ist, das jetzt zu wissen.

Noch nicht

Der Gehängte, Der Eremit, Die Mäßigkeit, Vier der Schwerter, Zwei der Schwerter, Sieben der Münzen, Vier der Kelche. Etwas muss noch reifen, ruhen oder entschieden werden. Sieben der Münzen: Die Pflanze steht im Boden, daran zu ziehen hilft nicht.

Falsche Frage

Der Mond, Die Hohepriesterin, Sieben der Kelche, Rad des Schicksals, Der Tod, Die Liebenden, Die Gerechtigkeit. Mond und Hohepriesterin sagen, dass du noch nicht genug weißt. Das Rad sagt, dass es nicht in deiner Hand liegt. Der Tod sagt, dass das, wonach du fragst, zu Ende geht und seine Form wechselt. Frag also, was danach kommt. Die Liebenden und die Gerechtigkeit geben dir die Entscheidung zurück.

Wenn dich Karten wie Der Tod oder Der Turm in dieser Liste erschrecken, lies in meinem Text über die gefürchteten Tarotkarten, was sie wirklich bedeuten. Für die Ja- und Nein-Werte der großen Karten im Einzelnen geht die Übersicht zur Großen Arkana tiefer.

Was umgekehrte Karten beim Ja-Nein-Tarot bedeuten

Der häufigste Fehler: Eine umgekehrte Karte wird als Gegenteil gelesen. Sonne umgekehrt gleich Nein, Turm umgekehrt gleich Ja. So funktioniert es nicht.

Eine umgekehrte Karte dreht die Antwort um eine Stufe herunter und richtet sie nach innen.

  • Eine umgekehrte Ja-Karte bleibt ein Ja, aber kleiner, später oder mit einer Bedingung. Die Sonne umgekehrt: Ja, und du wirst dich weniger darüber freuen, als du denkst. Ass der Kelche umgekehrt: Das Gefühl ist da, und es wird nicht gezeigt.
  • Eine umgekehrte Nein-Karte ist ein Nein, das sich lockert. Zehn der Schwerter umgekehrt: Das Schlimmste liegt hinter dir, du stehst wieder auf. Fünf der Münzen umgekehrt: Hilfe ist näher als zuvor. Noch immer kein Ja auf deine Frage, aber der Grund für das Nein löst sich auf.
  • Eine umgekehrte „Noch nicht“-Karte sagt, dass das Warten bei dir liegt. Der Gehängte umgekehrt: Du wartest nicht mehr, du zögerst hinaus.
  • Eine umgekehrte Hofkarte ist ein Mensch, der gerade nicht in seiner besten Form ist, oder du in einer Stimmung, in der du nicht entscheiden solltest.
Eine Frage, die dich nicht loslässt?Zieh deine Karten selbst. Dilara liest sie für dich, aufrecht und umgekehrt. Die erste Legung ist geschenkt.
Karten legen

Warum du dieselbe Frage nicht zweimal stellst

Eine Frau erzählte mir einmal, sie habe an einem Abend sieben Karten zur selben Frage gezogen. Die erste war die Drei der Schwerter. Sie gefiel ihr nicht, also zog sie noch einmal, bekam die Sonne, traute ihr nicht, zog wieder. Nach der siebten Karte wusste sie weniger als vor der ersten.

Die erste Karte ist die Antwort. Die zweite Karte beantwortet eine andere Frage, nämlich: „Warum kann ich die erste nicht annehmen?“ Das ist manchmal eine interessante Frage, aber nicht die, die du gestellt hast.

Ich halte mich deshalb an drei Regeln und gebe sie dir gern mit:

  • Eine Frage, eine Karte, ein Mal.
  • Ist die Karte unklar, darfst du eine einzige weitere als Erklärung ziehen. Sie ersetzt die Antwort nicht, sie kommentiert sie.
  • Dieselbe Frage darfst du wieder stellen, wenn sich wirklich etwas verändert hat: Ein Gespräch hat stattgefunden, eine Frist ist abgelaufen, mindestens vier Wochen sind vergangen.

Eine Karte, die du so lange ziehst, bis sie dir gefällt, ist keine Antwort mehr. Sie ist ein Wunsch mit einem Bild darauf.

Wenn du merkst, dass du jeden Tag eine Antwort willst, mach etwas anderes: Zieh eine Tageskarte ohne Frage. Die Hände haben etwas zu tun, und die große Frage bleibt in Ruhe.

Tarot Ja Nein: vier Beispiele

„Ist es gut für mich, das Stellenangebot in Hamburg anzunehmen?“ Drei der Stäbe, aufrecht. Eine Gestalt steht auf einer Klippe und schaut Schiffen nach. Das ist ein Ja der zweiten Art: Ja, wenn du deinen Teil tust. Die Schiffe sind schon unterwegs, aber noch nicht zurück. Ich habe ihr gesagt: Nimm an, und rechne damit, dass es Monate dauert, bis es sich wie die richtige Entscheidung anfühlt.

„Ist es klug, ihm diese Woche zuerst zu schreiben?“ Sieben der Schwerter, aufrecht. Jemand schleicht mit fünf Schwertern aus einem Lager und schaut über die Schulter zurück. Eher Nein. Etwas an dieser Nachricht wäre nicht gerade: ein Vorwand, ein Test, eine versteckte Absicht. Die sinnvolle Anschlussfrage ist keine weitere Karte, sondern eine Frage an dich: Was würde ich damit eigentlich erreichen wollen?

„Ist jetzt der richtige Moment, um zusammenzuziehen?“ Der Mond, aufrecht. Falsche Frage. Ein Weg zwischen zwei Türmen, ein Hund und ein Wolf, ein Halblicht, in dem nichts klare Kanten hat. Es gibt etwas, das du noch nicht weißt oder nicht wissen willst. Frag nicht noch einmal die Karten. Frag ihn das, was du bisher vermieden hast.

„Bestehe ich die Prüfung im Frühjahr?“ Acht der Münzen, umgekehrt. Aufrecht ist diese Karte ein Ja durch Fleiß. Umgekehrt sinkt die Antwort um eine Stufe: Es ist möglich, und die Arbeit wird im Moment nicht getan. Die Karte sagt kein Durchfallen voraus. Sie zeigt eine Werkbank, an der niemand sitzt.

Häufige Fragen

Wie zuverlässig ist Tarot Ja Nein?

So gut wie die Frage. Tarot ist eine Überlieferung des Bilderlesens, kein Messgerät, und niemand kann dir ein sicheres Ergebnis versprechen. Was eine Karte verlässlich kann: dir zeigen, wie die Sache im Moment steht und wohin sie neigt. Nimm sie als zweite Meinung, nicht als Urteil.

Welche Tarotkarte ist das stärkste Ja?

Die Sonne. Danach kommen Der Stern, Die Welt und in Herzensfragen das Ass der Kelche, in Fragen zu Geld und Arbeit das Ass der Münzen. Die Sechs der Stäbe ist das Ja für alles, was mit Anerkennung zu tun hat.

Welche Tarotkarten bedeuten Nein?

Der Turm, die Drei der Schwerter, die Zehn der Schwerter und die Fünf der Münzen sind die deutlichsten. Sie sagen, dass das, wonach du fragst, in dieser Form nicht trägt. Ein Nein im Tarot ist eine Auskunft, keine Strafe, und es erspart dir oft einen Umweg.

Was, wenn ich bei einer Ja-Nein-Frage eine Hofkarte ziehe?

Dann entscheidet ein Mensch. Buben sagen „frag nach“ oder „erst kommt eine Nachricht“, Ritter sagen „es bewegt sich“, mit Stäben schnell und mit Münzen langsam, Königinnen und Könige sagen „du hast, was du brauchst, um das selbst zu entscheiden“. Für die Richtung schau auf die Farbe.

Kann ich Ja-Nein-Fragen zur Liebe stellen?

Ja, solange du nach dir fragst: „Ist es gut für mich, dem noch eine Chance zu geben?“ Was ein anderer Mensch entscheiden wird, kann dir keine Karte sagen. Wenn es um euch beide geht, zeigt die Liebestarot-Legung mit fünf Karten mehr als ein einzelnes Ja oder Nein.

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