Keltisches Kreuz im Tarot: Die zehn Positionen erklärt
Zehn Karten sind nicht zehn Antworten. Das Keltische Kreuz ist ein Bild mit einer Mitte, einer Vorgeschichte und einem Ausweg, und du liest es wie eine Landkarte.
Das Keltische Kreuz ist die Legung, von der alle gehört haben und die kaum jemand gern liest. Zehn Karten liegen auf dem Tisch, das Auge springt von einer zur nächsten, und nach der fünften hast du die erste vergessen.
Ich habe es spät gelernt. Meine Großmutter las Tassen, keine Karten, und ich bin jahrelang mit drei Karten und einer klaren Frage ausgekommen. Das Keltische Kreuz hat sich mir erst geöffnet, als ich aufhörte, es Karte für Karte zu lesen, und seine zwei Hälften sah: ein Kreuz, das die Lage zeigt, und einen Stab, der den Menschen zeigt, der darin steht.
Hier findest du die zehn Positionen der Reihe nach, die Paare, die zusammengehören, und meine ehrliche Meinung dazu, wann zehn Karten zu viele sind.
Was das Keltische Kreuz ist und wie du es legst
Bekannt wurde die Legung durch Arthur Edward Waite, der sie 1910 als alte Methode der Weissagung beschrieb. Wie keltisch sie wirklich ist, kann niemand sagen. Sicher ist, dass sie seit über hundert Jahren die große Standardlegung ist.
Du mischst alle 78 Karten mit deiner Frage im Kopf und legst zehn.
- Karte eins kommt in die Mitte.
- Karte zwei wird quer darübergelegt.
- Karte drei kommt unter die Mitte.
- Karte vier kommt nach links.
- Karte fünf kommt nach oben.
- Karte sechs kommt nach rechts.
- Die Karten sieben bis zehn bilden rechts außen eine Säule, von unten nach oben.
Ein Wort zur Querkarte. Sie liegt auf der Seite. Ob sie als aufrecht oder umgekehrt gilt, steht deshalb in dem Moment fest, in dem sie gezogen wird, bevor du sie drehst.
In Büchern findest du andere Reihenfolgen. Manche legen die Krone vor die Wurzel, manche tauschen Vergangenheit und Zukunft. Keine Reihenfolge ist die wahre. Wichtig ist, dass du eine wählst und bei ihr bleibst, denn die Plätze bedeuten nur etwas, wenn sie feststehen, bevor die Karten fallen. Die Reihenfolge unten ist die, mit der ich es gelernt habe. In der App liegt die Krone vor der Wurzel, die zehn Plätze und ihre Bedeutung sind dieselben.
Eine gute Frage für zehn Karten ist weit und hat eine Vorgeschichte: „Was sollte ich über meine Lage bei der Arbeit verstehen?“, „Was ist in meiner Ehe los?“. Wie man Fragen stellt, habe ich im Text zur Drei-Karten-Legung beschrieben. Dieselben Regeln gelten hier.
Die zehn Positionen im Keltischen Kreuz
1. Das Herz der Sache
Worum es wirklich geht. Nicht immer das, wonach du gefragt hast. Fragst du nach dem Job und hier liegt die Drei der Kelche, dann sind die Menschen dort die Mitte, nicht die Arbeit.
2. Was sie kreuzt
Die Kraft, die quer zur Sache liegt. Meist ein Hindernis, manchmal ein Gegengewicht, das aus gutem Grund bremst. Auch eine freundliche Karte hindert an diesem Platz: Die Sonne als Querkarte kann ein Optimismus sein, der nicht genau hinsehen will.
3. Die Wurzel darunter
Der Boden, auf dem die Sache steht: eine alte Erfahrung, ein Bedürfnis, ein Motiv, das du dir vielleicht nicht eingestanden hast. Diese Karte erklärt, warum dich die Lage so berührt.
4. Die jüngste Vergangenheit
Was gerade geschehen ist und jetzt verblasst. Die letzten Wochen oder Monate. Es verlässt das Bild, erklärt aber, wie du bei Karte eins angekommen bist.
5. Was sie krönt: das Ziel
Was über der Sache steht. Was du bewusst anstrebst, das Beste, das hier möglich ist, manchmal nur das, wovon du glaubst, es wollen zu müssen. Vergleich sie mit der Wurzel. Passen die beiden zusammen?
6. Die nahe Zukunft
Der nächste Schritt, nicht das Ergebnis. Was in den kommenden Wochen ins Bild tritt: ein Mensch, eine Nachricht, eine Stimmung. Es ist die Karte, auf die du dich vorbereiten kannst.
7. Du selbst
Wie du in der Sache stehst und wie du dich darin verhältst. Deine Haltung, nicht dein Charakter. Eine Hofkarte beschreibt hier die Rolle, die du im Moment spielst.
8. Dein Umfeld
Die Menschen und Umstände um dich herum: Familie, Kollegen, die Wohnung, das Geld. Auch, wie andere dich in dieser Sache sehen, und das weicht oft von Karte sieben ab.
9. Hoffnungen und Ängste
Beides in einer Karte, und das ist kein Zufall. Was wir hoffen und was wir fürchten, ist oft dasselbe. Wer sich die große Veränderung wünscht, hat auch Angst vor ihr. Das ist der persönlichste Platz der Legung.
10. Der Ausgang
Wohin das alles führt, wenn es so weitergeht, wie die neun anderen Karten zeigen. Kein Urteil. Sie ist die Summe der neun anderen, und sie ändert sich, wenn sich eine davon ändert, vor allem Karte sieben.
Wie du Kreuz und Stab liest
Bevor ich eine einzige Karte deute, zähle ich. Das dauert eine Minute und spart zehn.
- Große Arkana. Zwei oder drei unter zehn sind normal. Ab fünf ist es ein großes Kapitel deines Lebens, und nicht alles liegt in deiner Hand. Mehr zu diesen 22 Karten in der Übersicht zur Großen Arkana.
- Farben. Welche überwiegt, welche fehlt? Viele Schwerter: Die Sache wird im Kopf ausgefochten. Kein Kelch bei einer Liebesfrage ist schon eine Antwort. Die Farben erkläre ich in der Übersicht zur Kleinen Arkana.
- Umgekehrte Karten. Eine oder zwei zeigen, wo es hakt. Mehr als die Hälfte umgekehrt: Die ganze Sache ist blockiert oder spielt sich in dir ab.
- Hofkarten. Jede Hofkarte ist ein Mensch oder eine Rolle. Drei oder mehr: Viele reden mit.
Dann lese ich die beiden Hälften.
Das Kreuz hat zwei Achsen. Die waagerechte ist die Zeit: Karte vier, Karte eins, Karte sechs, von links nach rechts, Vergangenheit, Gegenwart, nahe Zukunft. Im Grunde eine Drei-Karten-Legung. Die senkrechte ist die Tiefe: Karte drei unten, Karte eins in der Mitte, Karte fünf oben. Was dich antreibt, was ist, worauf du zielst.
Der Stab wird von unten nach oben gelesen wie eine Leiter: du, die anderen, dein Inneres, das Ergebnis. Er beantwortet die Frage, die das Kreuz offen lässt: Und was mache ich damit?
Positionen, die miteinander sprechen
Die eigentliche Kunst liegt in den Paaren. Eine einzelne Karte sagt ein Wort, zwei Karten zusammen sagen einen Satz.
Eins und zwei: Herz und Kreuz. Die Kernspannung. Sag sie als einen Satz: „Es geht um X, und Y liegt quer dazu.“ Wenn du dieses Paar verstehst, hast du die halbe Legung verstanden.
Drei und fünf: Wurzel und Krone. Unten und oben. Was du brauchst und was du anstrebst. Liegt unten die Vier der Münzen und oben Der Narr, dann willst du Freiheit und brauchst Sicherheit. Das ist kein Fehler in der Legung. Das ist dein Konflikt.
Vier und sechs: Vergangenheit und nahe Zukunft. Die Linie der Zeit. Wird die Bewegung schneller, ruhiger, schwerer? Zwei Karten derselben Farbe zeigen eine Entwicklung. Ein Wechsel der Farbe zeigt einen Bruch.
Sieben und acht: du und dein Umfeld. Wie du dich siehst und wie du gesehen wirst. Weichen die beiden stark voneinander ab, spielst du nach außen eine Rolle, die nicht zum Inneren passt.
Neun und zehn: Hoffnungen, Ängste und der Ausgang. Das wichtigste Paar. Eine schwere Karte auf Platz neun färbt oft, wie du die zehnte liest. Frag dich: Ist der Ausgang das, was ich fürchte, oder sehe ich ihn nur so, weil ich Angst habe?
Fünf und zehn: Ziel und Ausgang. Bekommst du, was du anstrebst? Passen die beiden Karten nicht zusammen, führt der Weg woandershin, als du geplant hast, und das muss nicht schlechter sein.
Liegt auf einem dieser Plätze eine erschreckende Karte wie Der Turm oder Der Tod, lies sie nicht für sich allein. Auf Platz neun ist sie eine Angst, auf Platz vier etwas, das schon hinter dir liegt. Was diese Karten allgemein bedeuten, steht im Text über die gefürchteten Tarotkarten.
Wann zehn Karten zu viele sind
Ich lege das Keltische Kreuz viel seltener, als man erwartet. Zehn Karten sind zu viele:
- Für eine kleine Frage. Ob du am Samstag zu der Feier gehst, braucht keine Wurzel und keine Krone.
- Für eine Ja-Nein-Frage. Zehn Karten sagen nie Ja. Sie sagen „es ist kompliziert“, und das wusstest du schon. Nimm stattdessen das Ja-Nein-Tarot mit einer Karte.
- Nachts um zwei. Wenn du aufgewühlt bist, geben zehn Karten deiner Angst zehn Plätze, an denen sie sich einrichten kann.
- Für dieselbe Frage noch einmal. Ein Keltisches Kreuz beschreibt eine Strecke von mehreren Monaten. Wer es nach zwei Wochen neu legt, bekommt keine neue Antwort, nur ein zweites Bild, das dem ersten widerspricht.
- Für eine Frage zu zwei Menschen. Dafür ist die Liebestarot-Legung mit fünf Karten klarer, weil sie dem anderen einen eigenen Platz gibt.
- Wenn du gerade erst anfängst. Lern zuerst, drei Karten als einen Satz zu lesen.
Meine Faustregel: Das Keltische Kreuz ist für Lagen mit Vorgeschichte und mehreren Beteiligten, und pro Thema nicht öfter als zwei oder drei Mal im Jahr.
Ein kurzes Beispiel
Eine Frau von einundvierzig, die in ihrer Heimatstadt lebte, hatte eine Stelle in einer anderen Stadt angeboten bekommen. Ihre Frage: „Was sollte ich über diesen Umzug verstehen?“
Das Kreuz: 1 Acht der Kelche, 2 Zehn der Münzen, 3 Vier der Kelche, 4 Drei der Stäbe, 5 Der Stern, 6 Ritter der Stäbe. Der Stab: 7 Bube der Münzen, 8 Sechs der Kelche, 9 Der Turm, 10 Drei der Münzen. Alle aufrecht.
Zuerst das Zählen. Nur zwei Karten der Großen Arkana, und sie liegen auf Platz fünf und neun, Ziel und Angst. Das Große spielt sich in ihrem Kopf ab. Die Ereignisse selbst sind gewöhnlich. Drei Kelche, drei Münzen, zwei Stäbe und kein einziges Schwert: Es ist noch nichts laut ausgesprochen und entschieden worden.
Herz und Kreuz: Die Acht der Kelche zeigt jemanden, der nachts von acht Kelchen weggeht, die noch stehen. Innerlich ist sie schon gegangen. Quer darüber liegt die Zehn der Münzen, das Familienhaus, drei Generationen unter einem Bogen. Kein Feind, aber ein Gewicht.
Wurzel und Krone: Unten liegt die Vier der Kelche, eine lange, dumpfe Unzufriedenheit. Oben Der Stern. Sie will keine Karriere. Sie will wieder atmen.
Vergangenheit und nahe Zukunft: von der Drei der Stäbe, dem Ausschauen nach Schiffen, zum Ritter der Stäbe, der losreitet. Es wird schneller. Bald wird eine Entscheidung von ihr verlangt.
Du und dein Umfeld: Sie sieht sich als Bube der Münzen, als Lernende, die eine neue Sache ernst nimmt. Ihre Familie sieht die Sechs der Kelche, das Kind, das sie war.
Angst und Ausgang: Der Turm auf Platz neun ist ihre Angst, dass alles zusammenbricht, wenn sie geht, und, wenn sie ehrlich ist, auch die Hoffnung, dass endlich etwas die Entscheidung erzwingt. Der Ausgang aber ist kein Einsturz. Die Drei der Münzen zeigt eine Baustelle: Menschen, die gemeinsam an etwas arbeiten, das noch nicht fertig ist, und ihr Können wird dort gebraucht.
Die Karten sagen nicht „zieh um“. Sie sagen, dass sie schon vor einiger Zeit gegangen ist, dass das Gewicht Familie heißt und nicht Zweifel, und dass auf der anderen Seite Arbeit wartet, kein Trümmerfeld. Ich habe ihr geraten, das Gespräch mit ihren Eltern zu führen, bevor sie etwas unterschreibt, denn die fehlenden Schwerter waren das Lauteste auf dem Tisch.
Häufige Fragen
Was bedeuten die zehn Positionen im Keltischen Kreuz?
Der Reihe nach: das Herz der Sache, was sie kreuzt, die Wurzel darunter, die jüngste Vergangenheit, was sie krönt oder das Ziel, die nahe Zukunft, du selbst, dein Umfeld, deine Hoffnungen und Ängste, der Ausgang. Die ersten sechs bilden das Kreuz und beschreiben die Lage. Die letzten vier bilden den Stab und beschreiben dich darin.
Warum sind die Positionen im Keltischen Kreuz in jedem Buch anders?
Weil die Legung seit über hundert Jahren durch viele Hände gegangen ist. Manche Schulen legen die Krone vor die Wurzel, andere tauschen Vergangenheit und Zukunft. Alle diese Fassungen funktionieren. Wähl eine, bleib dabei und entscheide vor dem Mischen.
Ist das Keltische Kreuz für Anfänger geeignet?
Zum Legen ja. Zum Lesen nur mit Geduld. Lies anfangs nur das Kreuz, die Karten eins bis sechs, und nimm den Stab dazu, wenn sich das sicher anfühlt. Wer vorher ein paar Wochen mit einer Tageskarte übt, tut sich mit den zehn Karten viel leichter.
Was, wenn die Karte für den Ausgang negativ ist?
Dann hast du etwas erfahren, mit dem du arbeiten kannst. Die zehnte Karte zeigt, wohin es führt, wenn sich nichts ändert. Geh zurück zu Karte sieben, zu dir selbst, und zu Karte zwei, dem Hindernis. Dort sitzen die Hebel. Keine Karte dieser Legung ist ein Versprechen oder ein Urteil.
Welchen Zeitraum deckt ein Keltisches Kreuz ab?
Meist drei bis sechs Monate. Die nahe Zukunft auf Platz sechs betrifft die kommenden Wochen, der Ausgang auf Platz zehn die Monate danach. Hat deine Frage eine Frist, nenn sie beim Fragen, dann beziehen sich die Karten auf diesen Zeitraum.