Tarot · 11 Min. Lesezeit ·

Liebestarot-Legung: Die Beziehungslegung mit fünf Karten

Eine Liebeslegung sagt dir nicht, was der andere tun wird. Sie zeigt dir, wo ihr beide steht, und meistens ist es das, was du wissen musstest.

Neun von zehn Menschen, die mich um eine Tarotlegung bitten, fragen nach der Liebe. Sie sagen es selten gleich. Sie fangen mit der Arbeit an, mit dem Umzug, mit der Mutter, und bei der zweiten Tasse Tee kommt dann die eigentliche Frage.

Für diese Frage nehme ich eine Legung mit fünf Karten. Sie ist klein genug, um ehrlich zu bleiben, und groß genug, um zwei Menschen zu zeigen statt einen. Und sie hat einen Platz, den die meisten Liebeslegungen weglassen: nicht nur, was zwischen euch steht, sondern auch, was hilft.

Hier steht, wie die Beziehungslegung aufgebaut ist, was jede Position bedeutet und wo die Karten aufhören.

Die Beziehungslegung: fünf Positionen

Du mischst mit der Frage im Kopf und legst fünf Karten in dieser Reihenfolge. Ich lese mit allen 78 Karten, aufrecht und umgekehrt.

Karte 1Du
Karte 2Der andere
Karte 3Was zwischen euch steht
Karte 4Was hilft
Karte 5Wohin es geht

Du. Nicht dein Charakter im Ganzen, sondern wie du gerade in dieser Beziehung stehst. Diese Karte ist oft unbequem, weil sie die Rolle zeigt, die du übernommen hast: die, die wartet, die, die trägt, die, die schon mit einem Fuß vor der Tür steht. Lies sie zuerst und lies sie ehrlich. Alles andere baut darauf auf.

Der andere. Wie der andere Mensch im Moment in der Beziehung auftritt. Das ist kein Blick in seinen Kopf. Es ist das, was er an den Tisch bringt, so wie es bei dir ankommt. Eine umgekehrte Karte heißt hier meist, dass etwas zurückgehalten wird, nicht, dass mit dem Menschen etwas nicht stimmt.

Was zwischen euch steht. Das Hindernis, das Unausgesprochene, der Dritte im Raum, der nur selten ein Mensch ist. Viel öfter ist es Geld, Angst, eine alte Geschichte, ein unterschiedliches Tempo. Eine schöne Karte heißt hier nicht, dass es kein Hindernis gibt. Die Zehn der Kelche an diesem Platz kann das Bild der perfekten Familie sein, dem einer von euch nicht gerecht wird.

Was hilft. Meine liebste Position. Sie nennt, worauf sich die Beziehung stützen kann: eine Eigenschaft, einen Schritt, manchmal einen Menschen. Sie ist ein Rat und richtet sich deshalb an dich. Liegt hier die Vier der Schwerter, dann hilft eine Pause, nicht noch ein Gespräch um Mitternacht.

Wohin es geht. Die Richtung, die ihr beide nehmt, wenn ihr so weitermacht. Nicht das letzte Kapitel. Sie beschreibt die kommenden Wochen und Monate, und sie bewegt sich, wenn sich die Karten eins bis vier bewegen.

Danach lese ich in Paaren. Karte eins und zwei nebeneinander: Schauen sich die Figuren an oder voneinander weg? Passen die Farben zusammen, oder trifft Wasser auf Feuer? Dann Karte drei und vier zusammen, als Problem und Antwort. Erst dann die fünfte.

Farben und Hofkarten in Liebesfragen

In einer Liebeslegung zeigt die Farbe, auf welcher Ebene die Beziehung gerade stattfindet. Was die Farben allgemein bedeuten, steht in meiner Übersicht zur Kleinen Arkana.

  • Kelche sind Gefühl, Nähe, Zärtlichkeit, aber auch Sehnsucht und Verletzung. Viele Kelche: Das Herz ist beteiligt, was auch immer sonst los ist.
  • Stäbe sind Begehren, Anziehung und Tempo. Viele Stäbe und kein Kelch: Es ist heiß, und noch weiß niemand, ob es warm ist.
  • Schwerter sind Worte, Streit, Abstand und Entscheidungen. Sie sind kein Unglück in der Liebe. Sie zeigen, dass gedacht und geredet wird, oder dass es geschehen sollte.
  • Münzen sind der Alltag: die Wohnung, das Geld, der Körper, die Verlässlichkeit. Eine Beziehung mit vielen Münzen wird gelebt, nicht nur gefühlt.

Eine Legung ganz ohne Kelch ist in einer Liebesfrage eine Nachricht. Fünf Kelche auf einmal sind es auch: viel Gefühl, und niemand kümmert sich um die Miete.

Hofkarten verwirren am meisten. Sie sind keine Haarfarben und keine Geschlechter. Sie sind Arten, sich zu verhalten.

  • Buben sind Anfänger: neugierig, schüchtern, eine erste Nachricht. In der Liebe ist der Bube der Kelche der Mensch, der noch prüft, ob er sich traut.
  • Ritter bringen Bewegung. Der Ritter der Kelche kommt mit einem Angebot und viel Romantik. Der Ritter der Stäbe kommt schnell und kann ebenso schnell wieder gehen. Der Ritter der Schwerter prescht mit Worten vor. Der Ritter der Münzen ist langsam, und er bleibt.
  • Königinnen tragen eine Eigenschaft nach innen. Die Königin der Kelche fühlt tief, die Königin der Schwerter sieht klar und ist schon einmal verletzt worden.
  • Könige tragen eine Eigenschaft nach außen und übernehmen Verantwortung dafür. Der König der Münzen sorgt. Der König der Kelche bleibt ruhig, wenn der andere es nicht ist.

Eine Hofkarte auf Position eins beschreibt deine Rolle. Auf Position drei kann sie ein wirklicher dritter Mensch sein: eine Mutter, ein Ex, eine Freundin mit starken Meinungen.

Die bekanntesten Liebeskarten

Sechs Karten tauchen immer wieder auf, wenn Menschen im Tarot nach Liebe suchen. So lese ich sie in einer Beziehungslegung. Mehr zu den großen Karten steht in der Übersicht zur Großen Arkana.

Die Liebenden

Weniger ein Versprechen als eine Wahl. Zwei Menschen stehen unter einem Engel, offen und unverstellt. Die Karte sagt: Diese Bindung ist echt, und sie verlangt, dass du sie wählst, mit allem, was dazugehört. Umgekehrt wollt ihr Verschiedenes, oder einer von euch hat noch nicht gewählt.

Zwei der Kelche

Die eigentliche Liebeskarte des Decks. Zwei Menschen reichen einander auf Augenhöhe einen Kelch. Gegenseitige Anziehung, ein fairer Austausch, ein Anfang oder eine Versöhnung. Umgekehrt stimmt das Gleichgewicht nicht: Einer gibt, einer nimmt, oder das Gespräch ist abgerissen.

Zehn der Kelche

Ein Paar unter einem Regenbogen, daneben tanzende Kinder. Familie, Zuhause, das Gefühl, angekommen zu sein. Auf Position fünf ist sie eine schöne Karte. Auf Position drei schau genau hin: Manchmal ist gerade das Idealbild das, was zwischen euch steht.

Die Herrscherin

Fülle, Sinnlichkeit, Fürsorge, etwas, das wächst. In der Liebe steht sie für eine Beziehung, in der du gut genährt wirst, manchmal auch für einen Kinderwunsch. Umgekehrt kippt die Fürsorge: bemuttern statt lieben, oder geben, bis nichts mehr übrig ist.

Drei der Schwerter

Ein Herz, von drei Schwertern durchbohrt, dahinter Regen. Liebeskummer, eine harte Wahrheit, manchmal ein dritter Mensch. Es tut weh, und es ist klar. Der Schmerz, den sie zeigt, ist meist schon da. Die Karte spricht ihn nur aus. Umgekehrt heilt die Wunde, langsam.

Der Turm in der Liebe

Ein Blitz schlägt in einen Turm, die Krone fällt. Etwas, das auf falschem Grund gebaut war, hält nicht: eine Lüge, ein Schweigen, eine Rolle, die du gespielt hast. In einer Beziehung ist der Turm nicht automatisch das Ende. Er ist das Ende dessen, wie es war. Was ich erschrockenen Menschen zu dieser Karte sage, steht im Text über die gefürchteten Tarotkarten.

Eine Frage, die dich nicht loslässt?Zieh deine Karten selbst. Dilara liest sie für dich, aufrecht und umgekehrt. Die erste Legung ist geschenkt.
Karten legen

Ein Beispiel Schritt für Schritt

Eine Frau von vierunddreißig kam zu mir. Sie war seit zwei Jahren mit ihrem Partner zusammen, und jedes Mal, wenn sie das Zusammenziehen ansprach, wechselte er das Thema. Ihre Frage: „Was passiert gerade zwischen uns, und was hilft?“

Du: Königin der Kelche, aufrecht. Eine Frau auf einem Thron am Rand des Meeres, die in einen verschlossenen Kelch schaut. Sie fühlt sehr viel und liest jede seiner Stimmungen. Der Kelch aber ist zu. Sie spürt viel und sagt wenig.

Der andere: Vier der Münzen, aufrecht. Ein Mann hält eine Münze vor der Brust, eine auf dem Kopf und zwei unter den Füßen. Er hält fest, was er hat: seine Wohnung, seine Gewohnheiten, seine Ordnung. Das ist keine Kälte. Es ist die Angst, etwas zu verlieren.

Was zwischen euch steht: Der Mond, aufrecht. Ein Weg im Halblicht zwischen zwei Türmen. Kein dritter Mensch, keine heimliche Affäre. Unausgesprochenes, auf beiden Seiten. Sie errät, was er denkt, er sagt nichts, weil er nicht weiß, wie. Jeder füllt das Schweigen mit der eigenen Angst.

Was hilft: Ass der Schwerter, aufrecht. Eine Hand hält ein einzelnes Schwert in die Höhe. Ein klarer Satz. Keine Andeutung, kein Test, kein Vorwurf, der sich als Frage verkleidet. Ein Satz wie: „Ich möchte mit dir zusammenwohnen. Ich wüsste gern bis zum Sommer, ob du das auch willst.“

Wohin es geht: Die Mäßigkeit, aufrecht. Ein Engel gießt Wasser von einem Kelch in den anderen, ein Fuß an Land, einer im Wasser. Langsames Mischen. Das ist keine Hochzeitskarte und keine Abschiedskarte. Sie sagt, dass die beiden ein Maß finden, wenn beide gießen.

Jetzt lies die Paare. Königin der Kelche und Vier der Münzen: Wasser und Erde. Sie fließt, er hält. Das kann eine gute Paarung sein, ein Fluss braucht Ufer, nur ist das Ufer im Moment eine Mauer. Der Mond und das Ass der Schwerter: Nebel und eine Klinge. Die Antwort auf das Raten ist das Sagen. Und schau, wo die beiden Karten der Großen Arkana liegen: auf Position drei und Position fünf. Das Gewicht liegt nicht auf einem der beiden Menschen. Es liegt auf dem, was zwischen ihnen ist, und auf dem Weg.

Ich habe ihr nicht gesagt, dass er mit ihr zusammenziehen wird. Das sagen die Karten nicht. Sie sagen, dass das Gespräch, um das sie seit einem Jahr herumgeht, die Tür ist.

Fragen für Singles und für Paare

Die Legung funktioniert auch ohne Partner. Die Positionen verschieben sich leicht: Karte zwei zeigt dann die Art Mensch, zu der es dich immer wieder zieht, oder den, den du noch nicht losgelassen hast. Karte drei ist das, was zwischen dir und einer Beziehung steht.

Gute Fragen, wenn du Single bist:

  • „Was steht zwischen mir und einer neuen Beziehung?“
  • „Welches Muster wiederhole ich, wenn ich mich verliebe?“
  • „Wofür bin ich gerade bereit?“

Gute Fragen für Paare:

  • „Was braucht unsere Beziehung im Moment?“
  • „Was steht seit dem Umzug zwischen uns?“
  • „Was kann ich dazu beitragen, dass wir wieder miteinander reden?“

Und Fragen, für die ich keine Karten lege: „Betrügt er mich?“, „Kommt sie zurück?“, „Ist er mein Seelenpartner?“. Die erste ist eine Frage an ihn. Die zweite ist eine Entscheidung, die ihr gehört. Die dritte macht aus einem Menschen einen Hauptgewinn. Willst du nur eine schnelle Richtung, ist das Ja-Nein-Tarot das bessere Werkzeug, und wenn die Geschichte lang und verwickelt ist, hat das Keltische Kreuz mehr Platz. Wer beide Geburtsdaten kennt, kann die Paarung auch von den Sternen her ansehen, in einer Synastrie.

Was die Karten nicht können

Ich will hier deutlich sein, denn bei Liebesfragen wird am meisten gehofft.

Die Karten treffen nicht die Entscheidungen eines anderen Menschen. Karte zwei zeigt, wie jemand jetzt in der Beziehung auftritt. Sie legt nicht fest, was er nächsten Monat tut. Menschen ändern ihre Meinung, und sie dürfen das.

Die Karten holen niemanden zurück. Keine Legung, kein Ritual und keine Kartenlegerin kann das, und wer es dir verspricht, verkauft etwas.

Die Karten ersetzen das Gespräch nicht. Fast jede Beziehungslegung, die ich in dreißig Jahren gelegt habe, endete mit demselben Rat in verschiedenen Bildern: Sag es dem Menschen, nicht dem Deck.

Und wenn du in deiner Beziehung Angst hast, vor jemandes Wut, vor Kontrolle, dann sind Karten nicht die richtige Hilfe. Sprich mit jemandem, dem du vertraust, oder mit einer Beratungsstelle in deiner Nähe.

Die Karten zeigen dir den Raum. Wer durch die Tür geht, entscheiden zwei Menschen.

Häufige Fragen

Welche Tarotkarte bedeutet wahre Liebe?

Die Zwei der Kelche ist das klarste Bild für gegenseitige Liebe, Die Liebenden das klarste Bild für eine Bindung, die du wählst. Die Zehn der Kelche steht für Liebe, die ein Zuhause geworden ist. Keine von ihnen garantiert etwas. Sie zeigen, was zwischen zwei Menschen möglich ist, und dass es gepflegt werden will.

Kann ich die Liebestarot-Legung für jemanden legen, mit dem ich nicht zusammen bin?

Ja. Lies dann Karte zwei als die Art, wie dieser Mensch dir gegenüber auftritt, und Karte drei als das, was zwischen dir und einer Beziehung steht. Bleib auf deiner Seite. Die Legung zeigt deinen Teil der Geschichte, nicht die geheimen Gedanken des anderen.

Was bedeutet der Turm oder der Tod in einer Liebeslegung?

Der Turm heißt, dass etwas zusammenfällt, das nicht wahr war: eine Illusion, ein Schweigen, eine Rolle. Der Tod heißt, dass eine Phase vorbei ist und die Beziehung ihre Form wechselt, was auch ein neuer gemeinsamer Abschnitt sein kann. Keine der beiden Karten sagt ein Unglück voraus, und keine bedeutet automatisch eine Trennung.

Wie oft darf ich die Beziehungslegung legen?

Einmal pro Situation. Leg sie wieder, wenn sich wirklich etwas bewegt hat: nach dem Gespräch, nach einer Entscheidung, nach ein paar Monaten. Wer jede Woche legt, misst nur die eigene Unruhe.

Heißt eine umgekehrte Karte auf dem Platz des anderen, dass er lügt?

Nein. Eine umgekehrte Karte zeigt eine Eigenschaft, die blockiert, zögerlich oder nach innen gewendet ist. Der umgekehrte Ritter der Kelche ist jemand, der etwas fühlt und es nicht anbietet, kein Lügner. Ob jemand ehrlich zu dir ist, erfährst du von ihm, nicht von einer Karte.

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